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Der Siemens-Coup: Robcad wechselt erneut den Besitzer30. März 2007 Nachdem der Robcad-Hersteller Tecnomatix erst vor knapp zwei Jahren von der Softwarefirma UGS aufgekauft wurde, steht nun wieder ein Besitzerwechsel ins Haus. Der Robcad-Käufer ist Siemens. Der aktuell wegen Korruptionsvorwürfen in der Kritik stehnde Weltkonzern gab anlässlich seiner Hauptversammlung im Januar 2007 bekannt, das US-Softwarehaus UGS für einen Kaufpreis von insg. 3,5 Milliarden Dollar zu übernehmen. Die zwischen Siemens und UGS getroffene Vereinbarung zur Übernahme muss zunächst noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden. In Verbindung mit dem texanischen Softwarehaus UGS würde Siemens zum weltweit ersten Anbieter von Soft- und Hardware über den gesamten Lebenszyklus von Produkten und Produktionsanlagen. Die Geschäftsaktivitäten von UGS sollen in den Siemens-Bereich Automation and Drives (A&D) integriert werden. Ganz unerwartet kommt der geplante Zusammenschluss hingegen nicht. Denn UGS und Siemens A&D stehen seit 2003 mit gemeinsamen Projekten in der digitalen Fertigungstechnologie in Geschäftsbeziehungen. Zudem kann Siemens nun mit strategischen Neuerungen punkten, die den Blick vom aktuellen Korruktionsskandal des Unternehmens abwenden sollen. „Durch die Akquisition von UGS verbinden wir die Kompetenz zur ‚Digitalen Fabrik' mit unserem führenden Know-how in der Industrieautomatisierung. Dadurch machen wir die Prozesse unserer Kunden schneller, besser und kostengünstiger. Mit dieser einzigartigen Kombination unterstreichen wir unsere Stellung als Trendsetter in der Automatisierungstechnik und heben dieses Geschäft in eine neue Dimension", sagte Klaus Kleinfeld, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG. Die Planung künftiger Produktionssysteme wird sich vom kreativen Produktdesign mit CAD-Werkzeugen über die Auswahl und Planung von Logistik-, Service- und Recyclingstrategien erstrecken. Durch den Einsatz von intelligenten und modularen Mechatronik-Systemen wird die Produktion schnell und flexibel verändert und angepasst. Einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren wird dabei die frühe Engineering-Phase sein, die Daten der Produktentwicklung und Produktion zusammenführt, einschließlich der Möglichkeiten zur Produktrückverfolgung und der Synchronisation von Warenwirtschaftssystemen. Siemens A&D und UGS stehen beide für offene Standards und -schnittstellen in ihren jeweiligen Industriesegmenten. "Durch die Kombination unserer Fachkenntnisse in der Welt der physischen Automatisierung und der virtuellen Welt der PLM-Software wird Siemens das einzige Unternehmen sein, das seinen Kunden durchgängige Software- und Hardwarelösungen für deren gesamten Produktionsprozess anbieten kann. Alle unsere künftigen Software- und Hardware-Produkte werden die heutigen und künftigen Schnittstellen und Standards unterstützen. Wir werden als erste mit innovativen Lösungen für die digitale Fabrik am Markt sein, die den Engineering- und Automatisierungsbereich wirklich vereinen", so Helmut Gierse, Vorsitzender des Bereichsvorstandes von Siemens A&D. "Die Verbindung von Siemens und UGS wird die weltweite PLM-Branche auf der Basis unserer gemeinsamen Vision ‚Totally Integrated Automation' nachhaltig verändern", hofft Tony Affuso, CEO und President von UGS. "Unsere Kunden gewinnen durch die Rückendeckung eines der größten, erfolgreichsten und innovativsten Unternehmen an Langzeit-Sicherheit für ihre System-Investitionen. Zudem sind wir als der meisteingesetzte PLM-Anbieter in der Lage, den Siemens-Kunden einen Mehrwert zu bieten. Unsere offenen Systeme vereinfachen die Integration in Siemens-Technologie, die bereits auf allen unseren Zielmärkten installiert ist." Wie sich die Übernahme auf die Offenheit und universelle Nutzung von Robcad und anderen Tecnomatix-Produkten auswirkt, bleibt abzuwarten. Tecnomatix wird zunächst als UGS-Marke weitergeführt. Auch die aktuelle Wandlung der Produktspektrums in der digitalen Fertigungsplanung von den bisherigen eM-Power-Produkten eM-Worplace (Robcad), eM-Engineer und eM-Planner zu den neuen Produktgruppen Process Designer und Process Simulate wird zunächst beibehalten. Die Marke Tecnomatix befindet sich in diesem Wandlungsprozess derzeit allerdings in einer misslichen Situation, weil das neue Produktportfolio lange nicht alle Anwendungsbereiche der bisherigen Tools abdeckt, so dass auf den Vertrieb von Legacy-Systemen noch nicht verzichtet werden kann. Auch gibt es keine konkreten Upgrade-Pfade, die für alle Kunden sinnvoll beschritten werden können. | |||

